
Lange Jahre habe ich mit verklärtem Blick auf Grado zurück geblickt und habe schon viele Jahre den Wunsch gehegt, dieses Lagunenstädtchen mal wieder zu sehen. Meine Erinnerung war geprägt durch lange Sandstrände, einen romantischen Hafen in der Altstadt und abendliche Stadtbummel. Jetzt ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen und wir haben ein verlängertes Wochenende dort verbracht.
Bereits kurz nach Udine kam bildlich die Erinnerung hoch an unseren Fahrradausflug nach Grado. Als ich 16 war, waren mein Stiefvater Peter und ich nämlich so wahnsinnig, nach Grado mit dem Fahrrd zu fahren. Nach der elenden Plagerei über den Vrsic (dieser Pass ist als höchster Gebirgspass Sloweniens nicht ohne – 49 Haarnadelkurven bis zum höchsten Punkt auf 1.611 m) und der ewigen Radelei durch Italien endlich angekommen auf der letzten Etappe geht es endlos geradeaus - immer geradeaus auf einer mit Bäumen gesäumten Straße Richtung Grado. Ewig dauert das mit dem Fahrrad, aber auch mit dem Auto ist es keine kurzweilige Strecke. Endlich Aquileia – wieder Erinnerungen. Völlig fertig von der Radtour schickt mich Peter damals die Ausgrabungen und die Basilika besichtigen. Wie soll man sich nach dieser Plagerei an einem wunderbar erhaltenen Mosaikfußboden erfreuen? Eigentlich wollte ich nur sitzen oder noch besser liegen und schlafen. Peter hat damals übrigens während meiner Besichtigungen einen Espresso getrunken. Er meinte, er kenne das alles schon und ich müsse mich weiter bilden. Na, der hatte Nerven.
Diesmal geht es vorbei an Aquileia direkt auf den Damm nach Grado. Der erste Blick… kleines Dörflein am Meer? Nein, da hab ich was falsch in Erinnerung. Sieht aus wie die Skyline von Manhatten, na-ja ok, vielleicht doch nur Mainhatten, aber trotzdem. Hochhäuser und Baukräne hatte ich nicht in meinem Gradobild.
Wenn man in die Stadt hinein fährt, muss man unweigerlich feststellen, dass hier alle touristischen Bausünden begangen wurden, die man sich nur vorstellen kann und trotzdem spürt man an jeder Ecke den Glanz vergangener Zeiten. Wunderschöne Villen reihen sich nahtlos an lieblose Wohn- und Hotelbauten.
Wirft man hingegen einen Blick in den alten Ortskern trifft man auf Bauwerke, welche von den Bischöfen von Aquileia errichtet wurden. Viele sakrale Bauten – die ältesten aus dem 5. Jh – zieren das Stadtbild. Diese Gegend wurde auch von der Architektur der 70er des vergangenen Jahrhundert verschont und man kann durchaus Italien spüren. Vor langer Zeit wurde der Grundstein hier gelegt. Grado war der verschlafene Hafen der damals bedeutenden Stadt Aquileia. Der Tourismus hielt in dem damals österreichischen Ort gegen Ende des 19 Jahrhunderts Einzug. Damals erholte sich hier die Aristokratie.

Der Glanz ist zwar verblasst, aber es ist trotzdem ein lohnender Wochenendausflug. Wir hatten noch mal die Gelegenheit, Meeresluft zu schnuppern und abendliche Einkaufsbummel sind hier durchaus schön. Das Wetter war nett zu uns und das Essen hat gemundet. Einen (Regen)Tag haben wir für den Venedigausflug genutzt. Diese Stadt berührt das Herz ohnehin immer wieder, auch ohne Sonnenschein.
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